BI: Glückwunsch nachträglich – 50 Jahre Business Intelligence

2. Januar 2009 um 5:10 pm | Veröffentlicht in BI | Hinterlasse einen Kommentar
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In diesem Beitrag beschreibe ich mein Verständnis von Business Intelligence – BI unterstützt die Entscheidungsfindung – und gehe auf die Geschichte des Begriffs ein, der nicht von der Gartner Group in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die Welt gesetzt wurde, sondern tatsächlich schon 50 Jahre alt ist.

Eigentlich mag ich den Begriff „Business Intelligence“ (BI) nicht. Spontan übersetzt man ihn mit „wirtschaftliche Intelligenz“, was nun ziemlich arrogant daher kommt.
Ich übersetze „Intelligence“ im Kontext von BI lieber mit „Einsicht“ und rechtfertige damit meine pragmatische BI-Definition: BI unterstützt die Entscheidungsfindung!
Entscheidungen werden auf Basis von „Einsichten“ in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge getroffen. Das Ziel von BI ist, Entscheidern schnell und einfach aktuelle Informationen  zur Verfügung zu stellen.

Der Ausdruck „Business Intelligence“ wird gemeinhin – wie viele „Buzzwords“ – der Gartner Group zugeordnet. Tatsächlich hatte er seine Geburtsstunde aber im Oktober 1958, als der Deutsche Hans Peter Luhn im IBM Journal seinen Artikel über „A Business Intelligence System“ veröffentlichte. Darin definiert er …

Business Intelligence:

„… business is a collection of activities carried on for whatever purpose, be it in science, technology, commerce, industry, law, government, defense, et cetera … intelligence is … the ability to apprehend the interrelationships of presented facts in such a way as to guide towards a desired goal.“

Zwar bezieht sich Luhn im weiteren auf die Analyse von Textdokumenten – Datenbanken, Computernetzwerke und die grafische Visualisierung von Informationen in Form von Management-Cockpits existierten noch nicht – dennoch war auch für ihn schon das Ziel eines Business Intelligence Systems die Generierung von Wissen.
Luhn wollte durch die

  • „Nutzung der Informationstechnologie das Dokumentenmanagement effizienter gestalten“ und
  • „durch Bereitstellung der relevanten Informationen Handlungen unterstützen“.

Konkretisieren wir Handlungen mit Treffen von Entscheidungen und ersetzen wir Dokumentenmanagement mit Datenmanagement erhalten wir meiner Meinung nach eine der griffigsten Definitionen von Business Intelligence.

Chapeau! Ich ziehe ehrfurchtsvoll meinen Hut vor diesem creativen Kopf: Im Jahr 1958 als der erste integrierte Schaltkreis – die Basis eines jeden  Computers – von Jack Kilby erfunden wurde, entwarf Hans Peter Luhn bereits ein theoretisches Konzept, das bis heute uneingeschränkt aktuell ist.

Erstaunlich auch, dass Luhns Vorstellungen zur statistischen Analyse von unstrukturierten Textdokumenten erst jüngst wieder verstärkt in den Fokus von BI kommen: unter den Schlagwörtern Text Mining oder Text Analytics!

Amazon zeigt uns schon seit Jahren wie Text Analytics zum Nutzen des Kunden funktioniert: den Tag, als ich abends als Geschenk eine CD im Briefkasten vorfand, die mir einige Stunden vorher von Amazon als Kauftipp vorgeschlagen wurde, werde ich nie vergessen. Heute – fünf Jahre später – hängt das komplette CD-Sortiment des Labels, das diese CD herausgegeben hat, an meiner Wohnzimmerwand (Morr Music).

Ich weiß nicht, ob Larry Page oder Sergey Brin während Ihrer Studienzeit den Artikel von Hans Peter Luhn in die Finger gekriegt haben, aber das, was google gerade aufbaut, erlaubt diese Assoziationsanalysen nicht nur auf Ebene von Produktkäufen sondern weit darüber hinaus. Google sammelt Informationen über unser Suchverhalten im web und bietet Services an, über die wir unsere Desktopdokumente auf googles‘ Server ablegen können. Darüber hinaus gehört google Blogger und YouTube und unser Mobilitätsverhalten wird über google-maps immer „gläserner“. Text-Analytics erlaubt es, aus diesen Informationen sehr präzise Userprofile zu generieren, die für das Marketing der Zukunft nicht mit Gold aufzuwiegen sind.

Wann wohl google die erste Idee vom Platzen der amerikanischen Immobilienblase hatte?

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