openBI: Palo mal ganz einfach …

30. Juli 2009 um 7:24 pm | Veröffentlicht in BI, Excel, Palo | 8 Kommentare

Excel_Palo_Backfrisch4Vor einigen Monaten habe ich einen einführenden Beitrag über Online Analytical Processing (OLAP) mit dem Ziel die wesentlichen Begriffe der OLAP-Welt zu erklären geschrieben. Während der damalige Beitrag abstrakt gehalten war, möchte ich hier einen Schritt weiter gehen und die Vorzüge von Palo in Kombination mit Excel konkret am Beispiel der Bäckerei BackFrisch vorstellen.

Eine aus meiner Sicht sehr gelungene – weil sehr verständliche – Darstellung über die Vorzüge von Palo ist der Beitrag The beauty of Palo im Blog paloinsider.com von Kristian Raue – Vorstand der jedox AG, dem Hersteller von Palo. Der Beitrag ist in englisch geschrieben, daher erlaube ich mir an dieser Stelle den „generischen“ Ansatz von Herrn Raue aufzunehmen, um die „Magie“ von Palo an meinem BackFrisch-Beispiel zu zeigen. Vielen Dank für die Anregung nach Freiburg. Ich empfehle vorab die Lektüre meines Beitrags BI: Von Excel-Tabellen zu OLAP Würfen.

Beginnen wir mit einer einfachen Exceltabelle für die Bäckerei BackFrisch – noch eines vorab: außer diesen 11 Zellen ist die Excel-Arbeitsmappe leer und enthält keine Verknüpfungen, Abfragen oder Verweisfunktionen zu anderen Excelmappen. Ich schwöre …

Excel_Palo_Backfrisch1

Die Tabelle zeigt in Zelle C8 die produzierte Menge Brot für die Filiale Holtenauer Straße im Jahr 2008: 3.638 Stück. Sie wollen lieber die produzierte Menge einer anderen Filiale sehen? Ok, überschreiben wir die Filiale mit „Dreiecksplatz“:

Excel_Palo_Backfrisch2

Nun zeigt die Zelle C8 eine produzierte Menge von 3.591 Stück. Wie geht das? Richtig, in dieser – und nur in dieser Zelle – steht eine besondere Palo-Formel. Aber es kommt noch besser: Ich erweitere die Zeilen- und Spaltentitel um weitere Kennzahlen und eine Filiale und kopiere diese Formel einfach via Cut&Paste in alle Zellen der erweiterten Tabelle:Excel_Palo_Backfrisch3

Sofort erscheinen die Werte für die neuen Kennzahlen „Vekauft“ und „Abweichung“ für die Filiale „Dreiecksplatz“ wie auch die zusätzliche Filiale „Olshausenstraße“. Wie das? Sehr einfach: Über die Palo-Funktion PALO.DATA(), die eine Abfrage des auf dem Palo-Server abgelegten Verkauf-Cubes durchführt. Welche Werte die Zellen anzeigen, wird dabei durch die Spalten- und Achsentitel sowie die festen Vorgaben für Stadt, Jahr und Warengruppe über der Tabelle bestimmt. Diese Formel liegt in den Zellen C8:D10.

Excel_Palo_Backfrisch4

Noch einmal konkret: In Zelle C8 liegt die Funktion =PALO.DATA(„localhost/BackFrisch“;$C$2;$C$3;C$7;$C$5;“Alle“;$C$4;$B8;“Alle“).
Diese Funktion dient allein dem Zweck einen Wert aus einem Würfel der Palo-Datenbank zu lesen. Welcher genau wird durch die Argumente der Funktion – die Koordinaten für den Hyperwürfel –  bestimmt: In diesem Fall wird auf den Würfel „Verkauf“, der Datenbank „BackFrisch“, die auf dem lokalen Server liegt, zugegriffen und die Kennzahl „Produziert“ für die Dimensionen mit ihren Ausprägungen (in “ „) Filiale „Dreiecksplatz“, Stadt „Kiel“, Jahr „2008“, Warengruppe „Brot“ ausgelesen.
Statt der Zellverweise kann ich genauso gut die Dimensionsausprägungen direkt in die PALO.DA
TA-Funktion schreiben. Allerdings hätte ich die Formel dann nicht einfach kopieren können, um die Kennzahlenwerte für die anderen Felder der Tabelle zu erhalten.

OK, die Zellverweise machen Sinn, aber warum taucht dennoch zweimal als Funktions- argument „Alle“ – also ein fester Dimensionsverweis – auf? Mich interessiert für diese Tabelle die Summe über alle Kalenderwochen des Jahres 2008 und über alle Produkte der Warengruppe „Brot“. Durch die Hierarchie „Alle“ in diesen beiden Dimensionen, die alle Dimensionsausprägungen – also alle Produkte bzw. Kalenderwochen – enthält, schaffe ich mir die Möglichkeit der Aggregation mittels Summenbildung.
Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass es möglich ist, die aufgeführten Kennzahlen noch detaillierter nach den Dimensionen Kalenderwoche oder Produkt zu analyisieren. Die Granularität des zugrundeliegenden Palo-Modells ist also feiner als für unsere aktuelle Sicht auf die Daten notwendig.

Ich glaube, jetzt habe ich die wichtigsten Begriffe aus meinem Beitrag BI: Von Excel-Tabellen zu OLAP-Würfeln anhand des BackFrisch-Beispiels erläutert.
Mein Palo-Beispiel-Dashboard der Bäckerei BackFrisch, das ich in Excel mit Palo realisiert habe, ist letztlich auch nicht mehr als viele, viele PALO.DATA-Funktionen, die variabel über Drop-Down-Boxen gesteuert werden. Ein Beispielvideo finden Sie hier.

Eine weitere Besonderheit von Palo ist das sogenannte write-back. Mittels write-back erlaubt Palo die Eingabe von Daten in das zugrundeliegende Palo-Modell. Hierzu wird einfach in eine Excelzelle, die eine PALO.DATA-Funktion enthält, eine Zahl geschrieben. Die Formel wird dabei nicht überschrieben, sondern der eingegebene Wert im Palo-Cube unter den entsprechenden Koordinaten der PALO.DATA-Funktion gespeichert.
Auf diese Weise können Planwerte direkt über Excel in Palo erfasst werden und sofort Ist-Daten aus den operativen Systemen gegenübergestellt werden. Dies ist sogar auf aggregierter Ebene möglich: Palo verteilt die Werte automatisch auf die einzelnen Kind- Elemente der Hierarchie. Ideal für Planungsanwendungen!

Noch eine letzte Anmerkung: Natürlich können alle Zugriffe auf Palo über Berechtigungen gesteuert werden, so dass z.B. die Filialleiter der Bäckerei BackFrisch nur Ihre Verkaufszahlen sehen und nur Planwerte für Ihre Filiale eingeben können.

Zusammenfassend bietet Palo eine einfache Möglichkeit Daten zentral und konsistent vorzuhalten, die von vielen Nutzern über Excel – aber nicht nur über Excel, mehr dazu an anderer Stelle – gleichzeitig ausgewertet werden können. Palo als sogenannten „single-point-of-truth“ zu nutzen, ist aus meiner Sicht der beste Weg der „Spreadsheet Hell“ zu entkommen: Warum sich mit vermeintlich aktuellen Versionen von komplexen Exceltabellen voller Verweisfunktionen rumärgern, die noch dazu verstreut im Dateiverzeichnis liegen und selten auf die Schnelle auffindbar sind?

Mit Palo gehört dieser Zustand der Vergangenheit an. Und das Beste: die komplette Palo-Suite unterliegt einer Open Source Lizenz und kann damit lizenzkostenfrei verwendet werden. Einfach hier herunterladen und mit Palo starten … Hier habe ich  die einzelnen Komponenten der Palo BI-Suite für einen ersten Überblick beschrieben.

PS: Wie sagte so schön Heny Thoreau – ein zugegeben recht anarchischer US-Autor: „Alle guten Dinge sind billig; alle schlechten sind teuer!“
Ein schöner Kontrast zu der sehr deutschen Mentalität „Was nix kostet, ist auch nix!“

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8 Kommentare »

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  1. Hallo,

    leider habe ich bisher noch keine Information gefunden an welcher Stelle Palo aufsetzt.

    Ist nun Palo ein „komplettes BI“ (inkl. Datawarehouse etc.) oder dient Palo der Auswertung? Sprich kann ich weiterhin mein SAP NetWeaver System als Datenbasis nutzen und Palo agiert wie der BEx oder BO?! Sollte es letzteres sein, über welche Schnittstelle würde das laufen, bzw. wie könnte die Integration von Palo aussehen?

    Vielen Dank für eine Antwort

    Lars

    • Hallo Lars,
      seit der Version 3.0 besteht die Palo BI-Suite aus dem Palo MOLAP-Server, einem ETL-Server und dem Worksheetserver. Letzterer ermöglicht die Präsentation von Excel-Dashboards im webbrowser (thin-client).
      Damit ist Palo ein komplettes BI-System. Ggf. würde ich noch einen relationalen Data Warehouse-Layer – ähnlich der ODS- bzw. Data-Storage-Objekte im SAP BW – basierend auf einer Open-Source-Datenbank wie PostGres oder Ingres darunter legen.
      Palo kann sehr schön mit dem SAP BW verzahnt werden: Daten aus ODS-Töpfen, Info-Objekten und Hierarchien werden mit Hilfe des ETL-Servers in die PaloDB transferiert und dort zur Auswertung via Palo-Excel-Addin, das mit dem BEx – vergleichbar ist, vorgehalten. Nur eben erheblich performanter … der Süddeutsche Verlag hat es vorgemacht … siehe hier. OK?
      Lars

      • Hallo,

        vielen Dank zunächst 🙂 Die Antwort ist Spitze!

        Viele Grüße

  2. […] über dutzende Tabellenblätter werden einfach nicht benötigt – das erledigt Palo, wie ich hier an einem einfachen Beispiel zeige. Wirklich neu an Palo Web sind die sogenannten DynaRanges, […]

  3. […] Sobald die Daten für den aktuellen Berichtsmonat im Data Warehouse – z.B. einem SAP BW oder Palo – vorliegen, sind die Exceltabellen und -Diagramme auf  Stand und die PowerPoint-Folien […]

  4. […] braucht Palo, wer ein SAP BW oder sonstige Berichts-werkzeuge, gibt es doch den Milchmädchenrechner. […]

  5. […] hier kommt Palo ins Spiel: trotz einiger Vorbehalte gegen Open Source – Was nichts kostet, ist auch nix! […]

  6. […] Der Einstieg in das BI-Thema ist mit Palo lizenzkostenfrei! Warum hohe Lizenzkosten für Tools ausgeben, von denen ich noch nicht weiß, ob ich sie tatsächlich benötige? Einen einfachen Einstieg in die technische Funktionsweise von Palo im Zusammenspiel mit Excel finden Sie hier. […]


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