openBI: Palo BI-Suite 3.0 – the Good, the Bad and the Ugly

27. Dezember 2009 um 4:21 pm | Veröffentlicht in BI, Open Source, Palo | 3 Kommentare

Nach etlichen Irrungen und Wirrungen zu Beginn des Jahres ist seit September 2009 ein Release Kandidat der Palo BI-Suite 3.0 für die community zum Download erhältlich. Ein erstes Service Release wurde gerade Mitte Dezember veröffentlicht. Was bringt die Palo BI-Suite 3.0 an Neuerungen und wie fällt meine Bewertung aus: the Good, the Bad and the Ugly

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Nun, zunächst einmal haben sich die Macher hinter Palo, die jedox AG, entschieden auch den Worksheet-Server – mit neuen Namen Palo Web – und das Palo Excel-Addin unter eine Open Source Lizenz zu stellen. Der Palo OLAP- und der Palo ETL-Server wurden ja schon immer unter der GPL veröffentlicht. Das ist phantastisch, mausert sich Palo damit zur einer umfassenden lizenzkostenfreien BI-Plattform, die über Excel, mit Open Office Calc oder via php-basierter webseiten abgefragt werden kann. Good!

Nun zu den einzelnen Komponenten: Die Palo BI-Suite enthält Werkzeuge zur Datenintegration (ETL), zur Datenspeicherung (MOLAP) und Analyse von Daten:

  • Der Palo ETL Server dient dem Import von Daten aus den Unternehmensanwendungen in den Palo-Server – ETL steht für Extrahieren, Transformieren, Laden. Er bietet Standardschnittstellen zu allen gängigen Datenbanken und sogar zu SAP – letzteres allerdings nur in der kostenpflichtigen Enterprise-Version.* Der ETL-Server ist perfekt auf den Palo-Server abgestimmt und bietet umfassende Transformationsmöglichkeiten der Daten.
    Mein ersten Versuche mit dem ETL-Server waren sehr positiv. Die Webanwendung läuft stabil und war für mich mit Handbuch recht intuitiv nutzbar. Besonders gut gefällt mir die Möglichkeit der Generierung von Zeit-Hierarchien, denn damit gestaltet sich die Einrichtung der Zeit-Dimension erheblich einfacher. Auch die LookUp- und Normalisierungs-Transformation finde ich sehr gelungen. Ich vermisse allerdings einen Scheduler für die ETL-Jobs. Diesen findet man wohl nur in der Enterprise-Version mit dem Supervision-Server – wie auch die Möglichkeit eines Drill-through aus Excel auf originäre Belegdaten, die mit dem ETL-Server in einer relationalen DB abgelegt wurden. Trotzdem: Good!
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  • Der Palo OLAP Server ist das zentrale Modul der Palo BI-Suite. Anders als relationale BI-Systeme basiert Palo auf einer multidimensionalen in-memory-Datenbank, die wesentlich schnellere Antwortzeiten ermöglicht. Palo ist wie Excel zellorientiert und integriert sich nahtlos in die Microsoft-Tabellenkalkulation und auch OpenOffice Calc. Da alle Nutzer auf eine identische Datenbasis für Ihre Analysen zugreifen, wird das berüchtigte „Tabellenchaos“ vermieden. Sogar ein Zurückschreiben von Daten in den Palo-Server aus Excel oder dem Worksheet-Server/Palo Web heraus ist möglich … ideal für Planungsanwendungen.
    Die Migration von Palo 2.5 auf die Palo BI-Suite 3.0 verlief unproblematisch: alles funktioniert wie gewohnt. Good!
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  • War bisher Excel oder OO Calc das Analysewerkzeug für Palo, kann mit der Version 3.0 nun auch der Worksheet Server lizenzkostenfrei verwendet werden. Im Vergleich zur Vorgängerversion wurde der Worksheet Server 3.0 auf Basis von C++ komplett überarbeitet und heißt jetzt Palo Web. Bei dem Palo Worksheet Server/Palo Web handelt es sich um eine webbasierte Online-Tabellenanwendung ähnlich Zoho, EditGrid und natürlich google docs.  Palo Web bringt damit das Excel-look’n’feel in den webbrowser. Hübsche Oberfläche, oder?

    Durch die nahtlose Integration von Palo Web zum Palo Server gehört ein Problem webbasierter Tabellenkalkulationen der Vergangenheit an: Performance! Warum? Ganz einfach: Komplexe Tabellenwerke mit Datenbank- und Verweis-Formeln über dutzende Tabellenblätter werden einfach nicht benötigt – das erledigt Palo, wie ich hier an einem einfachen Beispiel zeige.
    Wirklich neu an Palo Web sind die sogenannten DynaRanges, mittels derer sich die Berichtsstruktur automatisch an neue Datenkonstellationen anpasst. Vorbei die Zeiten als Excel-Berichte mühsam angepasst werden mussten, weil eine neue Produktgruppe vom Vertrieb eingeführt wurde.
    Neben den DynaRanges hat sich jedox sehr viel Mühe mit der Charting-Engine gegeben. Die Diagramm-Galerie in Palo Web ist ziemlich ausgefeilt und sogar einige MicroCharts/sparklines – siehe Bild oben – sind integriert. Good!
    Die starke Betonung von Tachometergrafiken ist mir jedoch ein Dorn im Auge:
    Sehen super aus, bringen verglichen mit BulletCharts aber wenig. Dekoration statt Information: Bad!
    Leider ist diese Art der Visualisierung aber auch bei meinen Kunden sehr beliebt; mehr dazu in meinem nächsten Beitrag …

UPDATE: Die bisher an dieser Stelle beschriebenen Stabilitäts-Probleme der BI-Suite gehören mit dem Ramp Up 3.1 der Open Source Version der Vergangenheit an: die Komponenten laufen  kontinuierlich problemlos und hingen sich nicht auf. Good!
Und noch eine weitere gute Nachricht: jPalo – das Palo-webfrontend für (OLAP-)Adhoc-Analysen – ist in die BI-Suite integriert worden und bietet nur auch eine Filterfunktion:

Als Fazit bleibt für mich nur festzuhalten: super Sache diese Entwicklung, ganz großes Kino – Kompliment an alle bei jedox!

Soweit zu den Open Source Komponenten der Palo BI-Suite 3.0.

Bitte nicht vergessen: Palo ist und bleibt „kommerzielle Open Source“, d.h. Open Source nach dem Open-Core-Modell, bei dem eine freie Plattform mit proprietären Add-ons ergänzt wird. Hat man Geschmack an der Lösung gefunden und möchte den Palo-Zugriff auf viele Nutzer ausweiten oder Palo direkt mit SAP verbinden*, kommt man nicht um die Extension Pakete der Enterprise Version rum. Diese liegen meines Erachtens aber immer noch in einem preislich fairen Rahmen verglichen mit den Lizenzkosten anderer BI-Lösungen.
Auf ein Support-Paket sollte man meines Erachtens eh nicht verzichten …

Einer Studie von OpenLogic nach bestehen gegen dieses Open Source-Modell jedoch Vorbehalte: Verglichen mit anderen Lizenzmodellen fand dieses Modell die geringste Unterstützung bei IT-Entscheidern. Als Motiv vermuten die Verfasser der Studie die Vermeidung von Herstellerabhängigkeit. Am besten schnitt freie Software mit optionalem kostenpflichtigen Support ab.

Eins fehlt noch. Was ist ugly, um dem Titel dieses Beitrags vollständig gerecht zu werden?
Wie ich oben erwähnte, sind in der Palo BI Suite 3.0 eine Handv0ll sparklines integriert. Gleiches gilt auch für Excel 2010 – hier allerdings nur Linien- und zwei Balkendiagramme. Ugly ist für mich die Tatsache, dass Microsoft sich erdreistet, ein Patent auf sparklines anzumelden, während gleichzeitig einer der Unterzeichner der Patentanmeldung in seinem Blog Edward Tufte als Erfinder der sparklines bezeichnet. Zumal schon vor Excel 2010 eine Vielzahl von Softwarelösungen für sparklines existierten – die Beste sogar Open Source: Sparklines for Excel von Fabrice Rimlinger.  Ugly, Ugly, Ugly … für eine Handvoll Dollar mehr!

take care, Lars

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* Alternativ bietet sich hier die Nutzung von Talend Open Studio an, das einen SAP-Konnektor und neuerdings auch leistungsstarke Palo-Konnektoren beinhaltet.

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3 Kommentare »

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  1. […] jedox hat auch den worksheetserver, der es erlaubt Palo-Analysen im webbrowser  – ohne Excel! –  durchzuführen, unter die GPL gestellt. Zusammen mit dem ETL-Server und Palo selbst bietet jedox damit eine umfassende BI-Suite mit MOLAP-Technologie unter einer Open Source Lizenz an – mehr dazu in meinem nächsten Beitrag. […]

  2. […] damit lizenzkostenfrei verwendet werden. Einfach hier herunterladen und mit Palo starten … Hier habe ich  die einzelnen Komponenten der Palo BI-Suite für einen ersten Überblick […]

  3. […] Palo Web bietet die Möglichkeit Daten des Palo-Servers im web zu präsentieren. Die Frage ob Excel oder web-Berichte stellt sich nicht mehr – beides ist auf einer identischen Datenbasis ohne großen Aufwand möglich, […]


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