Visualisierung/Excel: Zuviel Torte macht dick – aber ein Stück ist OK!

9. April 2010 um 4:10 pm | Veröffentlicht in BI, Excel, Open Source, Visualisierung | 6 Kommentare

Heute also noch einmal die Tortengrafik. Keine Angst, diesmal werde ich die Vorzüge dieser Art der Visua-lisierung von Informationen in den Vordergrund stellen – mithin keine Abrechnung. Die Idee ist so einfach wie genial: Mach die Torte klein und verwende nur ein Tortenstück! Und wie kriegt man das einfach in Excel hin? Mit Fabrice Rimlingers phantastischem Add-In „sparklines for excel“. Dazu unten mehr. Die  zugrundeliegende Excel 2003-Datei finden Sie hier.

Eine Torten- oder Kreisdiagramm eignet sich gut um Anteile an einem Ganzen darzustellen. Diese Visualisierungsform stößt allerdings an ihre Grenzen, wenn es gilt mehr als zwei Anteile abzubilden: Unser visuelles Verständnis tut sich schwer mit Kreisstücken und Winkel-betrachtungen! Eine Balkengrafik ist in diesem Fall die bessere Art der Darstellung, wie ich hier ausführlich zeige.

Wie es scheint, bin ich nicht der Einzige, der die Balkendarstellung – englisch: bar graph – präferiert:

Even when you wish to display values that represent parts of a whole, you should use a bar graph rather than the ever- popular pie chart.

Stephen Few in
„Information Dashboard Design: The Effective Visual Communication of  Data“, S. 190

 

Zur Darstellung eines einzigen Anteils am Ganzen ist die Tortengrafik für mich jedoch ungeschlagen: wir können fast intuitiv die Anteilsgröße – 25%, ein Drittel oder etwas mehr als Hälfte – einordnen; mehr oder weniger unabhängig von der Größe der Kreise:

Der Informationsgehalt EINER Torte ist jedoch ziemlich trivial und damit nicht der Rede wert. Viele Torten können jedoch ein sehr leistungsstarkes Visualisierungsinstrument sein. Zum Beispiel in einer Tabelle:

Ohne die kleinen Tortendiagramme hätten wir eine langweilige, schwer lesbare Excel-Tabelle vor uns. In Kombination mit den absoluten Werten spielt die „table-embedded-Torte“ ihre Stärke voll aus: Die miniaturisierten Torten stellen den Anteil des Umsatzes eines Produkts in einer Region am Gesamtumsatz dieser Region dar.
Es ist schnell zu erkennen, dass sich Light Sabres in der Region Nord besser verkaufen als die anderen Produkte. Dies erstaunt den Vertriebsleiter der Tatooine Inc. wenig, denn die Jedi-Ritter haben im nördlichen Teil der Galaxy ihre Zentrale. Interessanter der hohe Anteil der Glue Guns in der Region East: Hier zeigt wohl die regionale Marketingkampagne Wirkung. 😉

Durch einen einzigen Blick auf diese Tabelle sind wir in der Lage, die Werte der Tabelle zu erfassen und zu vergleichen. Unser Gehirn setzt die Zahlen und die Torten sowohl spalten- als auch zeilenweise in Beziehung. Auf diese Weise gewinnt der Betrachter Erkenntnisse, die eine rein zahlenbasierte Tabelle nicht bzw. nicht so schnell liefern kann. Und damit sind wir beim Konzept der Sparklines, das auf Edward Tufte zurück geht. Er beschrieb als erster miniaturisierte Liniendiagramme zur Schaffung von „informatorischem Kontext“. Mittlerweile wird die Idee, Visualisierungsobjekte zur Verdichtung von Informationen extrem zu verkleinern, auf alle Diagrammarten angewendet und man spricht auch von Microcharts oder Wortgrafiken.

Zur Umsetzung in Excel: Die „grafische Tabelle“ oben ist in wenigen Minuten mit Hilfe des Add-Ins „sparklines for excel“ von Fabrice Rimlinger gestaltet. Die Tortendiagramme werden einfach mittels einer Formel – piechart(Anteil/Gesamt) – in die Zellen gezeichnet.
Hier das File für Excel 2003.

„Sparklines for excel“ bietet aber mehr: Balken- und Säulen, Wasserfälle, BulletCharts, Abweichungsdarstellungen,  Paretographen, HeatMaps, Verteilungsdarstellungen und, und, und. Das Add-In existiert für alle Excel-Versionen, unterliegt einer Open-Source-Lizenz und kann daher frei genutzt werden … es lohnt sich, es auszuprobieren!
Ich habe mit diesem Add-In dutzende Seiten PowerPoint-Berichte auf wenige Seiten zusammen gefasst – auf Basis von SAP BW-Daten wie hier oder Palo wie hier von mir beschrieben.

Bisher war die ganze Geschichte ja recht farblos: die Torten in verschiedenen Grautönen gehalten. Der Einsatz von Farben bietet jedoch weitere Möglichkeiten. Besonders die Farben rot und grün eignen sich gut zur Visualisierung von Informationen. Aber bitte keine Ampeln wie in diesem Beispiel links aus einem Dashboard – die verschwendet zuviel Platz:

Die Darstellung rechts verwendet die Torte als Signalgeber. Zum einen wird über das Tortenstück der Umsatz-Anteil des Produkts in der aktuellen Periode (Dez 09) angezeigt. Zusätzlich wird über die Farbe der Torte die zeitliche Entwicklung abgebildet – grün: Umsatz im Vergleich zum Januar gestiegen, rot: der Umsatz ist gesunken. Darüber hinaus stellt eine sparkline die zeitliche Entwicklung über die Monate unterstützt durch ein grauen Zielkorridor dar. Die Informationsdichte dieser Darstellung ist sicher um den Faktor 100 höher als die der Ampeldarstellung links und aus meiner Sicht dennoch gut zu lesen.
Die Umsetzung mit „sparklines for excel“ finden Sie hier für Excel 2003.

Einen habe ich noch: die Verwendung von mehreren Torten als visuelle Kreuztabelle:

Die Kreisegröße repräsentiert vier Umsatzklassen: je höher der Umsatz, desto größer der Kreis. Diesem Umsatz wird die erzielte Handelsmarge in Form des farbigen Tortenstücks gegenübergestellt. Die Farbe des Kreisanteils zeigt die Margen-Zielerreichung. Es ist sofort ersichtlich, dass sich Transponders zwar sehr gut verkaufen, deren Marge aber unter den Erwartungen bleibt.
Auch dieses „Pie Chart Array“ wurde mit dem Add-In „sparklines for excel“ generiert – hier die xls-Datei für Excel 2003.
Edward Tufte bezeichnet diese Darstellung als Small Multiples. Small Multiples sind leicht zu interpretieren und die Informationsdichte dieser Art der Darstellung ist ungeschlagen: „less is a bore!“

Wo gerade erneut der Name Edward Tufte fällt. Erst dachte ich, die Meldung ist ein Aprilscherz – ich habe Sie am 01.April gelesen: Barack Obama hat letzten Monat Edward Tufte – meinen „Lieblings-Visualisierungsguru“ – in den Beraterstab von recovery.gov berufen.
recovery.gov ist eine offizielle website, die allen Interessierten einen einfachen Zugriff auf Daten im Zusammenhang mit dem 787 Milliarden Dollar umfassenden Konjunkturprogramm Obamas gewährt. Recovery.gov ermöglicht eine grafische Analyse der Auszahlungen in den Bundesstaaten oder Kongressdistrikten bis auf Postleitzahlenebene. Ziel der website ist Betrug, Verschwendung und Missbrauch der Gelder einfacher aufdecken zu können.

Ermutigend, dass der amerikanische Präsident das Thema „Visualisierung von Informationen“ zur Chefsache macht.
Und er hat Recht: Solange Visualisierungen wie diese 3D-Torte auf recovery.gov zu finden sind, hat Herr Tufte alle Hände voll zu tun – viel Dekoration um sechs Werte!

the best, Lars

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Dieser Beitrag bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

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6 Kommentare »

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  1. […] Dennoch gibt es für mich sinnvolle Anwendungen der “Torte”, die ich in einem kommenden Beitrag beschreiben […]

  2. […] – wie ich hier erläutere – sondern nur als „small multiples“ wie hier beschrieben. Allerdings erinnert die „Treppentorte“ ein bisschen an M.C. Eschers […]

  3. […] noch einmal grundsätzlich auf der Torte herumhacken, das habe ich hier ausgiebig getan (und hier auch beschrieben, wie  Tortendiagramme sinnvoll angewendet werden können). Nur ein Punkt: die […]

  4. Hallo,

    bin heute zum ersten Mal über Dein Blog gestolpert.
    Wunderbarer Beitrag, schöne Inspiration.

    schmendrich

    • Danke für die Blumen!

  5. […] das Tortendiagramm! Es taugt als Visualisierungselement nur sehr bedingt – wie ich hier und hier zeige – scheint aber der „attention grabber“ schlechthin zu […]


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