BI: 3D überall – das Thema Visualisierung in zwei aktuellen Business Intelligence-Büchern

9. Juli 2010 um 12:37 pm | Veröffentlicht in BI, Visualisierung | Hinterlasse einen Kommentar

Ich hatte mich bereits mehrfach – hier und hier – gegen dreidimensionale Elemente und anderen dekorativen Schnick-Schnack zur Darstellung von Informationen ausgesprochen. Gute Informationspräsentation ist zurückhaltend!
Wie aber sehen das andere Business Intelligence-Experten?

Ich habe mir zwei aktuelle Bücher zum Thema BI besorgt, um den „state-of-the-art“ der Informationsvisualisierung im Kontext von BI herauszufinden; aber auch, um die von den Autoren verwendeten Diagramme unter die Lupe zu nehmen …

Zunächst aber: warum eigentlich nicht dreidimensional? Weil unsere Auge-Gehirn-System durch 3D verwirrt wird!
Betrachten wir die Abbildung oben: die  beiden Monster erscheinen nicht gleich groß, obwohl sie identisch sind! Durch den perspektivischen Kontext des Tunnels wird dem Auge eine Tiefe vorgegaukelt, die nicht existiert, aber von unserem visuellen System „eingerechnet“ wird.*

Was heißt das für die Präsentation von Informationen mit Hilfe von Diagrammen? Keine verwirrenden dekorativen Elemente, keine Schatten, kein 3D-Darstellungen! Alle Elemente in einem Diagramm „tragen Information“: so kann eine blaue x-Achse z.B. für Ist-Werte, ein anschließender dunkelroter Teil der x-Achse für Planwerte stehen. Oder ein farbiger Hintergrund steht für ein europäisches Land …  alles andere ist unnötig!

Zunächst ein Blick auf das Buch „Grundlagen Business Intelligence – Band1“ aus dem Jahr 2009 von Andreas Seufert und Karsten Oehler erschienen in der Steinbeis Edition. Es handelt sich um den ersten Band einer Reihe unter dem Titel „Business Intelligence & Controlling Competence“.
Ich bin begeistert: deutet der Titel der Reihe deutet etwa an, dass hier ein Schritt unternommen wird, zusammen zu bringen was meines Erachtens zusammen gehört: Controlling und BI? BI-Projekte werden nur erfolgreich sein, wenn Controller (i.w.S. alle Zahlenwerker) sich mit der Technik und BI-Experten sich mit den fachlichen Anforderungen beschäftigen.

Zurück zum Thema: Das Buch hat einen technischen Schwerpunkt und erläutert BI-Architekturen. Allerdings enthält es keine Dashboard- oder Reportingbeispiele. Aber drei Diagramme zu Marktvolumen und Einsatzgebieten von BI, die Studienergebnisse abbilden. Beispielhaft die Abbildung von Seite 13 unter dem Titel: „Marktvolumen Business Intelligence in Deutschland“:

Die anderen beiden Diagramme sind von ähnlicher Güte: 3D-Elemente, abgesetzte Legende, Hilfslinien, die nicht helfen, Wertebeschriftungen, die die Säulenstapel überdecken, grauer Hintergrund, keine Quellenangabe, keine Botschaft! Hier mein Gegenentwurf:

Was mich wirklich erstaunt, ist die Tatsache, dass die Metagroup anscheinend schon 2004 das BI-Marktvolumen der Jahr 2005-2007 kannte. Im Text ist an keiner Stelle von prognostizierten Werten die Rede!

Das zweite Buch ist meine BI-Bibel, die in 4. Auflage 2010 erschienen ist: „Analytische Informationssysteme – Business Intelligence-Technologien und -Anwendungen“ herausgegeben von Peter Chamoni und Peter Gluchowski. Mit diesem Buch habe ich 1999 mit BI angefangen. Hier finden sich einige Dashboards aus der Praxis. So auf Seite 142 in dem Artikel von Carsten Bange „Werkzeuge für analytische Informationssystem“ unter dem Titel „Vertriebsmanagement-Cockpit mit Kennzahlen zu Neukunden, Durchlaufzeit und Kundenzufriedenheit“:

Ich glaube nicht daran, dass man ein Unternehmen mit Tachos wie ein Auto steuern kann. Wenn es so wäre, wäre ich überzeugt, dass die wöchentliche Arbeitszeit von DAX-Vorständen der Höhe Ihres Golf-Handicaps entspricht.
Aber mal von den Tachos abgesehen: Die drei Diagramme darunter sind völlig unlesbar. Das ist visueller Müll! Und das soll state-of-the-art sein? Zumal in einem neu aufgenommen Artikel von Herrn Bissantz das Thema Visualisierung am Ende des Buches sehr schön dargestellt wird.

Geht es auch anders? Ja! Es wird sogar ein Dashboard aus diesem Blog in dem Buch zitiert, das ich beim Durchblättern zufällig fand. Ein Excel-Dashboard mit sparklines auf Basis von Palodaten, das ich vor knapp eineinhalb Jahren hier beschrieben habe:

Ich bin – ein bisschen – stolz und es stimmt mich guter Dinge, dass das Thema Visualisierung nun auch langsam Gehör bei den BI-Exegeten findet!

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the best, Lars

* Das Monsterbeispiel habe ich der wunderbaren website zu optischen Täuschungen von Michael Bach entnommen – aber Achtung: auf diesen Seiten kann man gut und gerne einen Nachmittag verdaddeln!

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